Wissensbasierte Geschäftsmodelle

Über Geschäftsmodelle lässt sich hervorragend diskutieren. Aber es besteht immer wieder Unklarheit, was genau dahintersteht. Noch größer wird die Unsicherheit, wenn wir über „wissensbasierte Geschäftsmodelle“ nachdenken. Dabei sind sie überall – und schon sehr alt:

  • Die Klassiker sind archaische Rollen in einer Gemeinschaft, die sich durch Spenden oder einen Produktivitätsvorsprung finanzierten:
    • Kirchen – der Priester „weiß“ einig Geheimnisse und teilt sie mit seiner Gemeinschaft. Daraus entsteht Macht für den Priester und – meistens – Trost für das Volk.
    • Medizinmann – analog zum Priester – hat Wissen über ein spezifisches Problem „Gesundheit“ und hilft im Rahmen seiner Möglichkeit;
  • Schulen: Der Lehrer kennt sich aus. Er erklärt seinen Schülern Zusammenhänge. Erst im Laufe der Zeit kommt „Didaktik“ als eine Spezialisierung für die effektive Vermittlung von „Grundlagen“, während „Experten“ eher durch einen Anspruch an „Exzellenz“ arbeiten und daher ein (begrenztes) Monopol genießen.
  • Berater: Berater gab es immer schon – als Einflüsterer der Herrscher; seit weniger als 100 Jahren auch im Unternehmenskontext; helfen zeitlich befristet bei technischen oder strategischen Fragen durch zwei Mechanismen: inhaltliches Spezialwissen zu den gefragten Themen einerseits und methodisches Vorgehen zur Lösungsentwicklung andererseits.
  • Entwickler / Erfinder: klassisch „Kriegsmaschinenbauer“ (Da Vinci) denken über ein Problem nach (Logistik: Wasserleitungen / Straßen; Tempel; Festungen; Waffen etc.) und kommen auf Lösungen, die einen konkreten Nutzen stiften …
  • Faktisches Tun: ich MACHE und daraus ergibt sich „Exzellenz“. Das gilt besonders für Handwerker, die „immer schon“ (z.B. in Gilden) eine spezielle Fertigkeit innerhalb eines kleinen Kreises beherrschten; es dauert eben eine Zeit, bis auch die „Details“ durch Erfahrung gelernt sind, wobei der Anteil der Codifizierung niedrig ist und bleiben wird.
  • Arbitrage Handel (im Gegensatz zum reinen Verkaufsstand) nutzt das Wissen um Preisunterschiede zwischen Märkten und schafft so einen effizienteren Markt (= public good).

Hier ändert sich der Ansatz von „ich weiß etwas, ihr wisst es nicht – und daher bin ich cool“ (input) zu einem Modernen Ansatz „ich zeige Euch, wie Ihr Euer Wissen selbst aktivieren und weiterentwickeln könnt …” (enabling).

  • Daten als Geschäftsmodell: Ich kann messen, was Du (einer / viele) machst – und leite aus dem Muster der Messung völlig neue Erkenntnisse ab, die in der Primären Ebene Nutzen stiften (Timing / Intensität / Effektivität / …)
  • Wissensbasierte Dienstleistungen: Ich spezialisiere mich auf die Anforderungen eines oder weniger spezifischer Kunden, verstehe deren Anforderungen besser als alle Konkurrenten (ggf. besser als der Kunde selber?) und liefere dazu eine passende Lösung bzw. Vorschläge, wie der Kunde auch künftig gegenüber seinen Wettbewerbern Vorteile erringt. Zum Beispiel als Anlagenbauer oder Betreiber von Anlagen.
  • Nachrichten (Business Intelligence) waren immer schon „wertvoll“ und wurde durch Rotschild (Schlacht von Waterloo) erstmals systematisch zur Reichtumsgenerierung genutzt.
  • Unterhaltung: Ich nutze Wissen, um einen Unterhaltungseffekt zu erreichen (Literatur bis zu Hollywood); ein Witz funktioniert ein paar Mal, ein Drama öfter, hier geht es um Muster und ihre Variation, die ein „unstillbares Konsum-Bedürfnis“ von Menschen befriedigen;

Eine Sonderform der Geschäftsmodelle entsteht aus der rechtlichen Privilegierung einzelner Elemente wie Urheberrechte, Patente oder Marken und Leistungsschutzrechte.

  • Lizenzierung: ich DARF etwas, was jemand anderer (er)funden hat und multipliziere einfach; Ein Teil des Ertrages wird zur Kompensation der Anfangsidee verwendet (hier liegt der wirkliche Hebel!!!); die RECHTLICHE Alleinstellung ist ein Konstrukt – und hat mit „können“ nichts zu tun.
  • Monopole: Niemand anderer als ich darf etwas – etwa im Bereich IT, Pharma, aber auch Maschinenbau sehr wesentlich, um Exklusivität sicherzustellen. Als Effekt tritt nehmen dem weiteren Risiko bei Schutzinvestitionen auch ein deutlicher Vorteil bei den Erträgen ein.

Ohne rechtlichen Schutz und Durchsetzung sind diese Geschäftsmodelle nicht nachhaltig! Dem ursprünglich (hier sehr verkürzt dargestellten) Ziel der Innovationsanreize durch den zusätzlichen Ertrag für den Innovator steht die Idee gegenüber, seine Erkenntnisse eben nicht zu teilen und zu versuchen, sie besonders gut zu schützen. Beispiel Coca Cola und die „Formel“, die trotz ausgefeilter Analysetechnik angeblich noch immer nicht 100% nachgekocht werden kann. Vielleicht aber ist das auch bloß ein Mythos…